„Wir brauchen keine neuen Organisationen entwerfen. Wir brauchen nur eine neue Art des Denkens zum Leben erwecken. Ich glaube, dass es keinen Sinn macht, viel Zeit darauf zu verwenden, die gegenwärtigen Realitäten zu bekämpfen. Es ist vielmehr an der Zeit, neue Modelle zu entwerfen, die in sich eine Komplexität tragen, die die alten Systemstrukturen überflüssig machen. Und in dem Maße, in dem wir das tun können, und zwar schnell, können wir dazu beitragen, einen nötigen Durchbruch zu schaffen für die Zukunft.“ (Dr. Don Beck)
SDi – wie es entstand
Spiral Dynamics ist ein Werte-Entwicklungs-Modell, als dessen Begründer Prof. Clare W. Graves gilt. In der Mitte des letzten Jahrhunderts entdeckte er in seiner Auseinandersetzung mit der maslowschen Bedürfnispyramide, dass es bei Menschen immer wieder auftauchende Muster von Wertesystemen gibt. Diese entwickeln sich als Reaktion auf menschliche Existenzbedingungen, dienen zugleich aber auch als Wahrnehmungsfilter und Erklärungsschablonen für Verhalten und Verstehen. Weiter entwickelt zu dem Modell, unter dem Spiral Dynamics integral bekannt ist, wurde es von zwei seiner Schüler, Dr. Don Beck und Christopher Cowan. Das Modell gilt heute als ein Modell für die bio-psycho-soziale Entwicklung der Menschen, welches aufeinander folgende Muster der Entwicklung formuliert. Diese werden, anknüpfend an die Memetik, auch als vMEMEs (value = Werte MEMEs) bezeichnet.
SDi – wovon es handelt
Spiral Dynamics handelt von den Werten der Menschen, die das prägen, was Menschen für wichtig erachten und wie sie handeln. Es bietet ein Modell dafür, wie Werte auftauchen und sich verbreiten, warum Menschen Entscheidungen in unterschiedlicher Weise treffen, welche Konflikte das produziert und was möglich ist, um hier zu hilfreichen Lösungen zu kommen.
Erlernt werden die Werte und Verhaltensweisen in der Regel zunächst durch Nachahmung/ Imitation und laufen vielfach unbewusst ab. Jedoch können dramatisch sich ändernde Lebensverhältnisse tiefgreifende Impulse zur Veränderung geben und so eine mehr oder weniger bewusste Suche nach neuen Möglichkeiten des Denkens und Handels anregen. Dieses verfestigt sich im Laufe der Zeit zu einem unbewussten Verhalten und bewirkt so zugleich eine Veränderung in den Werten des Einzelnen oder auch einer ganzen gesellschaftlichen Gruppe. Dabei kommt es immer wieder zu sich vielfach überlappenden und sich verschränkenden fließenden Wellen der Entwicklung. Da von ihrer Entstehung her jedes Entwicklungsmuster eine neue Anpassung an veränderte Lebenssituationen darstellt, ist jede von ihnen in spezifischen Zusammenhängen eine möglichst beste Antwort auf die Lebenssituation und grundsätzlich erst mal nicht besser oder schlechter. Doch können die ursprünglich hilfreichen Verhaltensweisen und Werte unter veränderten Anforderungen zu großen Problemen führen und kontraproduktiv wirken.
SDi – zunehmende Komplexität
Entsprechend den Veränderungen des menschlichen Lebensraums von ganz kleinen Gruppen hin zu globalen Kontexten, hat sich im Laufe der Menschheitsgeschichte mit jedem neuen Muster der Blickwinkel erweitert, mit dem Menschen die Welt und das Geschehen in ihr ansehen. So nimmt die Fähigkeit zu komplexem Denken in dem Maße zu, in dem der einzelne Mensch sich immer weiter neue MEMEmuster kognitiv und emotional aneignet.
Die bislang acht bekannten verschiedenen MEMEs erhielten ihre farbigen Kennzeichnungen in der Arbeit in Südafrika in den 80er und 90er Jahren. Zur leichteren Verständigung und als Kontrast zum Apartheid-Denken wurden spezifischen Werten/ Verhaltensweisen spezifische Farben zugeordnet. Sie trugen maßgeblich dazu bei, bisherige Kategorisierungen zu überwinden.
SDi – warum das Modell hilfreich ist
In jeder Gesellschaft treffen immer wieder die verschiedensten MEMEs und damit auch Wertehaltungen aufeinander. Dieses führt oft genug zu Konflikten und heftigen Auseinandersetzungen, dessen Hintergründe zunächst gar nicht so einfach zu erkennen sind. Die Kenntnis der unterschiedlichen Wertecluster erlaubt einen erweiterten Blickwinkel, der es möglich macht, die miteinander konkurrierenden Werte zu benennen und anschließend zielführende Lösungen zu entwickeln. Zudem ermöglicht ein Wissen um die verschiedensten Wertecluster in Menschen oder Organisationen, Entwicklungen zu beeinflussen, förderliche Strukturen zu schaffen oder einen realistischen Blick auf das zu bekommen, was möglich ist.